“Dianei, mochs Fenster auf, loss mi probiern…” - Über’n Fensterschnaps und s’Gassl gehn

Einmal nach rechts gewischt und schon hat man seinen Traumpartner gefunden, oder? In Zeiten von Smartphones und Dating-Apps herrscht heutzutage ja ein Überangebot bei der Partnersuche, dass sogar diejenigen jemanden finden, die gar nicht suchen. Doch dass das früher nicht ganz so einfach war, darüber denkt heute eigentlich niemand mehr nach. Wir aber schon! Und deswegen erzählen wir euch heute, wie das damals mit dem Dating so ganz ohne Tinder, Paarship oder Elitepartner war. Und vielleicht kann sich aus diesem Blog-Beitrag so mancher Verzweifelter den ein oder andern Tipp abschauen, wie das mit der Balz läuft.😉

 

 

Wenn man sich das “Gassl gehen” oder “fensterln” bildlich vorstellt, denkt man an einen feschen, jungen Burschen, der sich eine Leiter schnappt und vollen Mutes zu seiner Angebeteten empor klettert, die oben schon auf ihn wartet mit langen Zöpfen und einem üppigem Dekoltée

 

 

Musik-Tipp mit Ohrwurm-Garantie gibt es hier.

 

 

 

Die Formen des Fensterl Gehens

Es gab ursprünglich zwei Formen, des Gasslgehens. Zum einen das gesellige Fensterl’n, bei dem sich eine Gruppe junger Burschen dazu verabredete, bei Einbruch der Dunkelheit meist in leicht angeheitertem Zustand gemeinsam zum Bauernhaus einer feschen G’sellin (Mädchen) zu gehen. Dort packte mindestens einer ein Hosensack-Instrument (Mundharmonika oder Maultrommel) aus, um die Aufmerksamkeit der Menschin (Mädchen) zu erhaschen. Falls die Menschin unbeeindruckt blieb und sich ihr Fenster nicht öffnete, gingen die Burschen einen Schritt weiter und schossen noch ein paar derbe Sprüche lautstark hinten nach, um das Zielobjekt aus der Reserve zu locken. Spätestens dann hat das Mädchen reagiert, sei es aufgrund von Amusement oder von Entrüstung. Hat dem Diandl die Darbietung gefallen, kam sie mit den Burschen ins Gespräch und seilte ihren Werbern eine kleine Flasche Schnaps beim Fenster hinunter. Dass die Flasche hinterher leer war, versteht sich von selbst. Hat ihr aber die Einlage nicht gefallen, so schnappte sie sich kurzerhand ihren vollen Nachttopf und kippte den Inhalt über die Köpfe der jungen Männer, sofern diese nicht schnell genug auswichen. 

 

Die andere Form des Gasslgehens war die romantische. Da ging es um einen einzelnen Burschen, der ernsthafte Gefühle für ein Mädchen hegte und diese als Braut werben wollte. Die Vorgehensweise für das Brautwerben bedurfte allerdings einiger gründlicher Recherchen und Vorbereitungen im Voraus. Zuallererst musste der “Gassler” die Location auschecken. Zumeist hat er das Bauernhaus wohl schon einige Nächte im Voraus beobachtet, um herauszufinden, ob es einen Hofhund gab, wo sich das Fenster seiner Angebeteten befand, wo die Leiter war und wo die Bauersleute schliefen. Als es dann soweit war und er wirklich unter dem richtigen Fenster stand, machte sich der Bub mit werfen von Kieselsteinen an die Fensterscheibe oder einem Pfiff bemerkbar. Das junge Mädchen, vielleicht schon voller Vorfreude auf einen nächtlichen Besucher, öffnete das Fenster und fragte, wer denn da sei. Gekonnt antwortete der “Gassler” mit seinem vorbereiteten und eingeübten Spruch: 

 

 

 

Gasslreim

Diandl los her, los her, auf mei' Gspü,

wei ih da vom Vottan aus eppas vischatzn wü.

Mia kimb vi und da Votta moats ah,

dass fia mih Zeit zan heiratn war'.

Ih woas woi des Fenstaln is neama modern,

oba wonnst ma zualost, kost mih hoizroschpin hearn.

Ih steih' vo dein Fenstal mit da Gitarr' in da Hond

und kimm zweitest her, tiafest vom Lond.

Dou wos mih kennan, hoassns mih in Aubauan Bert

oba de Gschicht'n wous üba mih vazöhn, sand oi zom nix wert.

Meine 40 Jahrl'n sand woi nit glog'n -

de Nos'n homs ma in Hundstoa ban Ranggl'n vabog'n.

In Woahrheit is woi um an Hougmoar nit gong'

dou hout ma a Hondla a kronke Koim nochitrog'n.

Da Votta gab ma de Geischn, an ettla Koiwei dazua,

aussan kochn und putzn hättst' Arbat no gnuag.

Ums Fad sei brauxt da ba ins nit sorg'n

und wonns da hiatz g'reicht war, oft hoi ih dih morg'n.

 

Diandl los her, los her, auf mei' Gspü,

wei ih da vom Vottan aus eppas vischatzn wü.

Mia kimb vi und da Votta moats ah,

dass fia mih Zeit zan heiratn war'.

Aussteia houst hoffentlich gnuag scho banond,

noand brauch ma koa Geid fia d'Wäsch und fias G'wond.

Gsoug' homs - an Woid kriagst ois Erbtoai no

und ih moa, mei Motursoug de richt ih ma scho.

Woast, mia brauch'n de Zuabuaß vom Woid -

wei ins sinst da Stoi vanond foit.

Sinst gangatst ba ins gwiss recht sche,

und du brauchatst neama ois Deastbot' geh'.

Bis Mittanoucht vasprich' ih, dou houst oiwei dei Ruah,

owa nochand schpescht ba ins es Wirtshäus'l zua.

Woast, ih bi'n jo scho a bissei vazoug,

wei mih doh a wenk des Rheimatische ploug'.

Wias mit de Kinda weascht, woas ih nit no -

owa ih vasprich das - prowier'n dammas scho!

Wonns nit hi haut, moch da nix draus -

daschpouscht da des Pleaweach in Haus.

So Diandl üwaleg nit z' long,

sinst kriagst ban Kommafensta enttn

vom Hozata no womöglich an ettla Spinnawett'n.

und a üwastandige Jungfrau weascht noh dazua -

a söchane scheicht jeda Votta und g'wiß ah sei Bua!

 

 

 

Kann das Herzblatt überzeugen?

Nachdem nun der Bursche mit seinem aufgesagten Gasslreim sein Herz ausgeschüttet hatte, blickte er sehnsuchtsvoll der Antwort seiner Liebsten entgegen.

Jetzt gab es drei Möglichkeiten:

1.       Jackpott! Der junge Mann kam unheimlich gut an bei der G'sellin und weckte in ihr riesiges Verlangen, sodass sie ihn prompt in ihre Kammer bat.

2.       Der „Gassler“ entsprach nicht wirklich dem Beuteschema des Mädchens. Sie fand ihn allerdings durchaus sympathisch und wollte ihn sich „warmhalten“. Deshalb wurde ihm höflich ein Fensterschnaps angeboten und noch kurz geplauscht.

3.       Worst Case! Der Bursche kam gar nicht gut an und musste sich sputen, ehe die Menschin den Inhalt ihres Nachttopfes aus dem Fenster kippte.

 

 

 

...Und die Moral von der Geschicht'

Wie auch immer sich das Mädchen damals entschied, war ihr durchaus bewusst, dass von dieser Entscheidung ihre weitere Zukunft abhing. So konnte sie einerseits als Braut oder als „alte Jungfer“ enden. Ganz im Sinne des Feminismus müssen wir sagen, Gott sei Dank sind diese für Frauen schrecklichen Zeiten vorbei. Aber andererseits ist es auch schade, weil so Romantik und Humor verloren gingen. In diesem Sinne möchten wir die jungen Leute und Singles von heute dazu ermutigen, hin und wieder einmal eine Leiter zu benützen. Aber denkt daran Mädels und Burschen, habt immer ein Schnäpschen parat!             ...am besten ein Durzbauer Schnäpschen 

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